Typisches Schadensbild im Anfangsstadium: Salzränder, beginnendes Abblättern der Farbschicht: untrügliches Zeichen für kapillar aufsteigende Feuchtigkeit
Schadensbild im fortgeschrittenen Stadium: erhebliche Farbablösungen, beginnende Zerstörung des Sockelputzes, Salzränder
Selber Bereich bei der Sanierung: Unterkante des Sockelputzes freigelegt, zweimal mit Gima Sockelplus 2K verschlämmt, sichtbarer Bereich mit Filzscheibe an die Struktur des Sockels angepasst.
Sanierter Schadensbereich nach zwei Jahren Standzeit
Wenn fehlerhafte Planung vorliegt oder Ausführung oder Sanierung nicht fachgerecht durchgeführt werden, sind Schäden gleich mit eingebaut. Komplexer Murks über mehrere Gewerke hinweg ist kaum sanierbar: Feuchteschäden nicht nur aussen am Sockel...

...sondern auch eindringende Feuchte in die Wohnung: durchfeuchteter Gipsputz an der Balkontür, schon rostende Eckwinkel im Putz, Schimmel hinter Tapete und Sockelleiste. Hier ist nicht der Feuchteschutz des Sockelputzes das Problem, sondern der gesamte Geländeaufbau der Terrasse aussen wurde schlicht zu hoch ausgeführt: hierfür war weder die Gebäudeabdichtung ausgelegt, noch gab es eine sinnvolle Wasserführung, keine Rinne vor der Balkontür, keine eingehaltenen Anschlusshöhen nach den Flachdachrichtlinien, selbst die Fenstertür aus Holz steckte im Anschlußmörtel aussen im dauerfeuchten Bereich. Schaden vorprogrammiert.

So sah der Aufbau nach dem Freilegen aus: Abdichtung der Bodenplatte ist zwar vorhanden, doch das Gelände wurde unzulässig hoch ausgeführt. 15 cm Stufe wäre gefordert, oder Rinne vor der Tür und Abdichtung bis 5 cm über Oberkante Gelände

Feuchtigkeit im Sockelbereich

Das Schadensbild ist recht häufig anzutreffen: Abplatzende Putz- und Farbschichten im Sockelbereich. Die Ursache hierfür ist in den meisten Fällen sehr naheliegend - im wahrsten Sinne des Wortes: direkt davor befindlich, man muss nur wenige Zentimeter in die Tiefe gehen.

Und es hat nichts mit der echten Gebäudeabdichtung zu tun - diese kann durchaus völlig intakt sein und trotzdem fällt der Sockelputz runter. Das Problem ist der Sockelputz selbst. Heutige Sockelputze sind High-Tech-Mischungen, die abgestimmt sind auf unser hochdämmendes Superleichtmauerwerk und ausgerüstet mit allen Zusätzen, die das Material geschmeidig bei der Verarbeitung, maschinengängig und pumpbar und in ausgehärtetem Zustand ausreichend weich für das darunterliegende Mauerwerk machen. Also echte Alleskönner am Bau - nur eines können sie nicht: sie vertragen keine dauernde Feuchte. Im Gegensatz zu den früheren Sand-Zementmischungen, die ständige Erdfeuchte überhaupt nicht beeindruckte, sind unsere heutigen Sockelputze penibel vor Feuchtigkeit zu schützen, sonst schauts so aus wie auf vielen Fotos. Nachdem es nun auch schon seit zehn Jahren Merkblätter für die betreffenden Gewerke gibt und diese in der Fachwelt auch durchaus Beachtung fanden, kann sich mittlerweile auch kein Bauschaffender mehr herausreden, daß er von sowas ja noch nie gehört hätte - dies wäre eher ein Armutszeugnis. Bei Massivbauten mit Putzfassade sollte man spätestens ab Baujahr 2005 davon ausgehen, daß eine Abdichtung des Sockelputzes obligatorisch ist, bei wärmegedämmten Fassaden und Sockeln sollte dies schon deutlich früher als Standard angesehen werden: das mir vorliegende Merkblatt ist immerhin schon im Oktober 2000 erschienen.
Nun taucht immer wieder die Frage auf: Wer muss denn bitteschön diese Abdichtung aufbringen? Einfache Antwort: derjenige, der dafür den Auftrag bekommen hat. Und das ist meistens niemand. Von der Reihenfolge her wäre es sinnvoll, diese Abdichtung nach dem Auftrag des Sockelputzes und vor dem Sockelanstrich aufzubringen. Nachdem meistens niemand exakt den Verlauf der Geländeoberkante angibt, wird der Sockelputz pi mal Daumen so weit heruntergezogen, daß er unter die Geländeoberkante reicht. Es soll ja später an keiner Stelle das rohe Mauerwerk mehr zu sehen sein, sonst gibts Mangelrüge und Nacharbeiten. Ähnlich funktioniert es mit dem Sockelanstrich. Es soll ja hinterher keine Fehlstelle zu sehen sein. Und irgendwann kommt dann der Landschafts- und Gartenbauer, füllt bei, pflastert und legt an. Und hat jetzt erstmal den schwarzen Peter, weil er übersehen hat, daß keine Abdichtung vorhanden ist und keine Bedenken angemeldet hat. Gut für den GaLa-Bauer, wenn es noch einen Bauleiter gibt, denn dieser hat die Pflicht, sich darum zu kümmern, daß die Sockellinie und die Geländeoberkante festgelegt wird und daß alles unterhalb der Geländeoberkante bis zur echten Gebäudeabdichtung mit einer geeigneten Abdichtung versehen wird. Blöd wenn nicht, dann bleibt der Ärger am Gartenbauer hängen.
Dabei wäre es kein Hexenwerk, die Streichabdichtung vor dem Anfüllen anzubringen. In der Regel handelt es sich hierbei um hoch kunststoffvergütete Zementdichtschlämmen, die im ausgehärteten Zustand immer noch eine Konsistenz wie Autoreifengummi aufweisen und im Gegensatz zu den bituminösen Dichtmassen problemlos überstreichbar sind. Diese Schlämmen sind ganz ähnlich oder teilweise identisch mit den Abdichtungen, die im Duschbereich unter dem Fliesenbelag aufgebracht werden. Wäre eigentlich ein leichtverdientes Zubrot für den Gartenbauer, dies mit in sein Repertoire aufzunehmen und serienmässig immer was im Kofferraum zu haben, aber das Bauhandwerk ist da leider nicht so flexibel wie so manches Internet-Startup-Unternehmen - im Handwerk heisst es leider viel zu oft: "Das haben wir schon immer so gemacht" oder der zweite Standardsatz im Brustton der Überzeugung: "Das haben wir noch nie gemacht". Und dann wirds halt auch nicht gemacht - was dann häufig zum Schaden führt.
Für den betroffenen Hausbesitzer ist es oft nicht so einfach, einen Schuldigen zu finden, der bereitwillig seinen Geldbeutel öffnet um die Schadensbeseitigung wenigstens zum Teil zu finanzieren oder es ist schlicht die Gewährleistung abgelaufen: aber es ist kein Hexenwerk den Schaden in den Griff zu bekommen und wenn gar nichts mehr geht sogar in Eigenleistung. Am aufwändigsten ist das Freilegen der abzudichtenden Bereiche. Das Beiputzen der Fehlstellen mit sockeltauglichem, filzbaren Reparaturmörtel und das zweimalige Schlämmen mit der Abdichtmasse geht noch am schnellsten. Wenn nun nicht mit weichen Materialien wie Sand oder Erde beigefüllt wird, sollte noch als Schutz gegen mechanische Beschädigung eine Noppenfolie vor die Abdichtung gestellt werden. Anschliessend kann das Gelände wieder hergestellt werden.
Nachdem mich immer wieder Fragen nach geeigneten, konkreten Produkten erreichen: Ich selbst benutze die Produkte "Multihaft Sockel" und "Sockelplus 2K" von der Firma GIMA. Bei dieser Firma können jedoch nur Gewerbetreibende Material beziehen. Vergleichbare Alternativen, die auch von Privatkunden bezogen werden können, wären zum Beispiel von der Firma Caparol das Material "ArmaReno Sockel" (als Ausbesserungsmörtel, zu beziehen über den Malerfachhandel), und für die Streichabdichtung gibt es größere Auswahl: Weber hat den "Superflex D2" (über den Baustoffhandel) oder von STO das Material "StoFlexyl" (zu beziehen direkt bei den STO-Niederlassungen). Alle genannten Streichabdichtungen haften auch auf bituminösen Untergründen und sind so für den nahtlosen Übergang auf die echte Gebäudeabdichtung geeignet.

überarbeitet 05/2014

Vorhandene Regelwerke und Bezugsmöglichkeiten für die Merkblätter:

Richtlinie Fassadensockelputz / Außenanlage: Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden Württemberg, Wollgrasweg 23, 70599 Stuttgart; Link zur Homepage

Wärmedämm-Verbundsysteme im Sockel- und im erdberührten Bereich: Gemeinsamer Technischer Ausschuß der Verbände GTA, Düsseldorfer Str. 50, 47051 Duisburg; Tel 0203-992390, Fax 0203-9923998; 
kostenloser Download als PDF hier