Verschmutzungen durch Mauerspinnen

Was mir in letzter Zeit immer häufiger auch an frisch verputzten Fassaden auffällt, sind teils massive Vorkommen von Mauerspinnen. Nachdem diese ästhetisch unschöne und doch recht auffällige Verunstaltung der Fassade mittlerweile häufiger zu sehen ist und die Verbreitung dieser Mauerspinne in unseren Breiten offenbar auf dem Vormarsch ist, habe ich versucht, Informationen zu diesem Thema zu sammeln.

Interessant ist, daß in Deutschland kaum Veröffentlichungen zu diesem Thema zu finden sind, während es in Österreich mehr dazu gibt - eine Bestätigung der Aussage, daß die Spinne aus südlicheren Regionen stammt. So findet sich auch auf der Internetseite des österreichischen Schädlingsbekämpfers Dipl. Ing. H. Schwarz ein interessantes Merkblatt zur Mauerspinne, bei dem ich mich nur frage, warum sie "Hessische Mauerspinne" genannt wird, obwohl sie doch offenbar aus dem Mittelmeerraum stammt. Und was mir in dem Merkblatt auch noch etwas fehlt, ist der Hinweis darauf, daß die Spinnennetze in erster Linie auf beleuchteten Fassadenflächen zu finden sind:

"MERKBLATT MAUERSPINNEN
( hessische Mauerspinne )

ALLGEMEINES

Diese Spinnenart gehört zu den Kräuselspinnen. Mauerspinnen legen keine freistehenden waagrechten oder senkrechten Netze an. Sie weben mit einem stark gekräuselten Faden meist unregelmäßige, handtellergroße Netze direkt an die Hausmauer. Diese Netze finden wir fast immer in der Nähe des Dachüberhanges oder unter Simsen, d.h. an Stellen, an denen Mücken vor Regen und nachts Schutz suchen. In den Netzen sammelt sich neben den
Nahrungsresten auch viel Staub an, sodaß die Häuserfassaden bald schmutzig aussehen. Die kleinen Spinnen leben hinter oder über den Netzen in Mauerritzen, die sie auch etwas erweitern können. Manches Mal werden, durch den Wind verfrachtet, ganze Ortsteile befallen.

BEKÄMPFUNG
Abkehren der Netze von Wänden und Hausmauern oder abwaschen, sofern möglich, und anschließendes Besprühen oder Vernebeln mit einem Gemisch aus Insektiziden und Akariziden. Spinnen sind Akarien und die meisten Insektizide alleine sind daher wirkungslos."

Ein weiterer, kurzer Beitrag mit Fotos zum Thema Mauerspinnen findet sich auf der Internetseite der Firma Maler Gutknecht aus Freiburg: http://www.maler-gutknecht.de/Mauerspinnen/mauerspinnen.html
Auch hier wird als Lösung zur Vermeidung des Wiederbefalls die chemische Keule empfohlen, wobei ich mich frage, ob wir als Maler hier auf dem richtigen Weg sind. Auf der einen Seite unterliegen wir in immer stärkerem Maße den Zwängen der Erwartung, daß die Fassade über viele Jahre wie frisch gestrichen aussehen soll, auf der anderen Seite können wir den Erwartungen nur mit immer stärkerem Einsatz von Umweltgiften gerecht werden. Dachbeschichtungen für Asbestzementdächer haben ab Werk so starke fungizide Zusätze, daß extra auf dem Etikett steht, daß das von diesem Dach ablaufende Niederschlagswasser nicht mehr geeignet ist, um seine Blumen zu giessen, weil sie die Giftbelastung wahrscheinlich nicht aushalten würden. Fassadenfarben werden immer häufiger algizide Mittel zugesetzt, um dem fortschreitenden Algenbefall der Flächen möglichst lange entgegenwirken zu können. Und nun auch noch Insektizide, um den Spinnenbefall zu vermeiden oder wieder loszuwerden. Ist es nicht eine verrückte Welt, daß sich unsere Kundschaft in seinen Wohnräumen möglichst biologisch unbedenkliche Farben wünscht, die am besten nur noch aus Knochenleim und Kreide bestehen soll, weil der böse Kunststoff in den Dispersionen ein schlechtes Karma verbreitet? Und auf der anderen Seite wird auf der Fassade jeder Schmutzfleck, der sich nach drei Jahren bildet, bemängelt und um ihn zu vermeiden muß die gesamte Palette der Umweltgifte aufgefahren werden?

In eine ähnliche Richtung geht auch H. Rusam von der Caparol Technik in seinem hochinteressanten Technikbeitrag "Mauerspinne", der sich ebenfalls gegen den Einsatz der chemischen Keule ausspricht:

"(...) Dunkle, runde Flecken auf rauhen Außenputzen sind ein typisches Anzeichen für eingenistete Mauerspinnen. Diese kleine Spinnenart ist aus dem Mittelmeerraum zu uns eingewandert. Die Herkunft aus dem Mittelmeerraum erklärt die Wärmeliebe und Regenscheue der Mauerspinne

Häufig findet man den Befall in Gegenden, die etwas wärmer sind (Weinanbaugebiete) und in der Nähe von Flüssen und Seen. In diesen Gegenden finden sich die für die Spinne als Nahrungsmittel dienenden Insekten.

Die sehr kleine Mauerspinne, ca 1-3 mm groß, bevorzugt an der Fassade wettergeschützte Stellen, oft unter Dachuntersichten oder Balkonen. Von Schlagregen und Wind beanspruchte Fassadenflächen werden gemieden.
Da sich Spinnen von Insekten ernähren und Insekten sich nachts zum Licht orientieren, findet man die Mauerspinne oft an hellen, mit Lampen beleuchteten Flächen.

In kleinen Vertiefungen der Außenwand siedelt die Mauerspinne. Sie webt ein weißes, rundes Fangnetz, das relativ schnell durch Straßenstaub verschmutzt. Dadurch entstehen die unschönen kreisrunden Stellen an der Fassade.
Zur Lebensgewohntheit der Mauerspinne gehört eine gewisse Mobilität. Die aus den Eiern geschlüpften Jungspinnen werden mit Hilfe von Spinnfäden und Wind über größere Entfernungen transportiert und suchen sich einen neuen Lebensraum. (...)

    -Es stellte sich heraus, daß die Art von Beschichtungen keinen Einfluß auf die Population der Mauerspinne hat. Die Mauerspinne gedeiht auf ungestrichenem Mauerwerk sowie auf allen Anstrichen, ob Dispersionsfarbe, Siliconharzfarbe oder auch Silikatfarbe.
    -Interessanterweise sind bisher keine Fälle bekannt, daß sich die Mauerspinne auf Wärmedämmverbundsystemem ansiedelt. Grund dafür sind vermutlich die bei Wärmedämmverbundsystemen auftretenden Temperaturschwankungen auf der Oberfläche zwischen Tag und Nacht. Diese Temperaturunterschiede sind für die Mauerspinne keine gute Lebensgrundlage.
    -Die Möglichkeiten, ein Haus vor dem Befall der Mauerspinne zu bewahren, sind sehr begrenzt.
    -Beschichtungsstoffen sogenannte Spinnengifte, also Insektizide, zuzusetzen, scheint nicht der richtige Weg zu sein. Das Problem liegt darin, daß diese Insektizide nicht unterscheiden können zwischen Spinnen und beispielsweise Bienen. Wenn der Anstrich ein solches Insektizid enthält, besteht die Gefahr, daß nicht nur die Spinnen vom Außenmauerwerk vertrieben wird, sondern auch Bienen und andere Insekten getötet werden.
    -Eine chemische Keule zur Abwehr der Mauerspinne würde ohnehin nur von kurzer Wirkungsdauer sein. Diese Insektizide werden durch Witterungseinflüsse relativ schnell abgebaut und verlieren ihre Wirksamkeit.

Unsere Empfehlung für befallene Flächen: Eine sinnvolle und oft praktizierte Möglichkeit, sich der Mauerspinne zu entledigen, ist eine kräftige Heißwasser-Hochdruckreinigung oder die Fassadenfläche einfach nur mit Wasser abzuspritzen. Damit werden die schmutzigen Fangnetze sowie die Spinneneier abgewaschen und die Spinnen vertrieben."

Eine Möglichkeit, nach der Reinigung vielleicht ohne Einsatz von Giften die Neubesiedelung zu verhindern wurde hier noch nicht erwähnt und sollte meiner Meinung nach nicht unversucht bleiben: Da die Spinnen wohl beleuchtete Flächen bevorzugen, sollte man versuchen, diese Randbedingung zu ändern. Beim eigenen Hoflicht, das bisher die ganze Nacht durchbrannte, kann man einfach abschalten. Bei Straßenlampen kann man sich mit der zuständigen Behörde in Verbindung setzen - bei einigen Lampentypen gibt es die Möglichkeit, daß sie zu den Hauswänden abgeschattet werden. Vielleicht ist das ja auch eine Möglichkeit, diesen lästigen Hausbewohner loszuwerden.
Seite aktualisiert am: 9.6.2003